Kantorei (Oratorienchor)
Die Kantorei an der evangelischen Stadtkirche Emmendingen
die Kantorei Emmendingen ist ein Chor an der Stadtkirche Emmendingen, der zur Zeit aus ca. 70 Sängerinnen und Sängern besteht. Bei großen Aufführungen steigt die Zahl der Singenden auf bis zu 90. Die Proben finden donnerstags von 19.30 - 21.30 Uhr im Gemeindehaus der Stadtkirche, Hebelstr. 2a, 79312 EM statt. Jedes Jahr werden ein oder zwei große Werke der Oratorien-Literatur aufgeführt. Daneben ist es die vornehmste Aufgabe den Gottesdienst mit Chormusik zu bereichern. Das geschieht ungefähr 6-8 mal im Jahr. Höhepunkte in den letzten Jahren waren die H-moll-Messe und die Matthäus-Passion von Bach sowie die Uraufführung einer Kammermusikfassung des Requiems von A. Dvořák. Das Repertoire ist vielfältig und reicht bis in die Moderne mit der Aufführung der Tango Messe von Palmeri und "Dein Name" von Joschi Krüger (erster Teil eines fünfteiligen Vater-Unser-Zycluses). Die Leitung hat Bezirkskantor Jörn Bartels.
Förderkreis der Evangelischen Kantorei Emmendingen e.V.
an der Evangelischen Stadtkirche Emmendingen.
Wir würden uns freuen, wenn Sie die Arbeit der Evangelischen Kantorei Emmendingen fördern, indem Sie uns mit einer Geldspende unterstützen.
Die Erlöse aus den Konzerten reichen nicht aus, die Kosten zu decken. So sind wir auf Ihre finanzielle Mithilfe angewiesen.
Dank allen, die uns in den letzten Jahren finanziell geholfen haben!
Sabine Burkhardt, Vorsitzende des Fördervereins
Jörn Bartels, Bezirkskantor
Bericht im Gemeindebrief Anfang 2016
...rühmlichen Antheil genommen“
125 Jahre Evangelische Kantorei
Der „Hachberger Bote“ brachte die Ankündigung am 4. Dezember 1890: „Sonntag den 7. Dezember, Abends ½5 Uhr: Concert in der ev. Stadtkirche in Emmendingen. Gegeben vom Kirchenchor unter gefälliger Mitwirkung einiger auswärtiger Damen“. Nach zwei instrumentalen Werken gab es „Chöre und Soli aus Schiller's Glocke von Romberg“ (eine etwas ungenaue Angabe, da die Musikerfamilie Romberg mehrere Komponisten hervorgebracht hat). Die „Breisgauer Zeitung“ in Freiburg resümierte einige Tage nach der Aufführung: „Wie wir in Erfahrung gebracht, wurde der Kirchenchor erst dieses Frühjahr gegründet, so daß wir wirklich überrascht waren, von einem so jungen Verein eine so vorzügliche Leistung zu hören.“ Der Chor war in der Tat erst einige Monate vorher gegründet worden, nämlich am 6. März 1890. Der Emmendinger Stadtpfarrer Sehringer hat damals einige „sangesfreudige und zugleich kirchlich gesinnte Männer“ zusammengerufen und einen entsprechenden Verein gegründet. Es war nicht der erste Chor im Kirchenbezirk, aber nach Wagenstadt und Sexau immerhin der dritte. Probenlokal war lange Zeit das heute nicht mehr existierende Gasthaus „Adler“ am Marktplatz.
Auch im Folgejahr 1891 konnte der neue Chor mindestens einmal auf sich aufmerksam machen. Der „Hachberger Bote“ berichtete unter der Ortsmarke Emmendingen und dem Datum 5. März: „Bei der heute stattgehabten Einweihung der protestantischen Kirche in Kenzingen hat auch der hiesige evangelische Kirchenchor rühmlichen Antheil genommen.“ Erwähnenswert auch, dass in den Anfangszeiten auch Konzerte mit „weltlichem“ Programm gegeben wurden und dass auch katholische und jüdische Sänger dabei mitwirkten.
Der Beitritt zum „Evangelischen Kirchengesangsverein für Baden“ erfolgte am 6. Mai 1897. Schon zwei Jahre später musste im Jahresbericht vermeldet werde, dass der Chor von der „Schwindsucht“ befallen worden sei. Aber, o Wunder: „Nachdem die Zahl der ausübenden Mitglieder des Kirchenchores in der ersten Hälfte des Jahres 1899 sich sehr vermindert hatte, trat in der 2-ten Hälfte eine starke Zunahme ein, namentlich trat eine beträchtliche Zahl von Damen bei“ (Jahresbericht 1899). So konnte neben allerlei kirchlichen Festen auch Kaisers Geburtstag musikalisch umrahmt werden. 1911 fand das Landeskirchengesangsfest in Emmendingen statt. Allerdings blieb der erhoffte Impuls für die Chorarbeit aus, so dass der Verein am 20. November 1911 aufgelöst wurde, weil „die Beteiligung in den Männerstimmen... seit längerer Zeit eine durchaus ungenügende“ gewesen war – sozusagen ein neuer Schwindsuchtsanfall. Aber schon im Folgejahr – genauer: am 3. Mai 1912 - begann eine neue Ära des Chors unter Leitung des Musiklehrers und späteren Kirchenmusikdirektors Otto Schieck, der volle vier Jahrzehnte lang als Chorleiter fungieren sollte. Schon im Jahr der Neugründung konnte am 15. Dezember ein vorweihnachtliches Konzert gegeben werden, dessen finanzieller Ertrag nach Auskunft des Jahresberichts leider oder auch glücklicherweise weit unter dem musikalischen lag: „Es zeigte sich, daß … 20 Pfennig für die Eintrittskarte zu wenig ist.“
Die Satzung war dem Evangelischen Kirchenchor nach der Neugründung so wichtig, dass sie im Jahr 1913 sogar in gedruckter Form vorgelegt wurde. Wir lesen in Paragraph 3: „1. Aktive Mitglieder können alle ehrbaren evangelischen Gemeindeglieder mit geeigneten Stimmmitteln werden und zwar die männlichen, welche das 18. und die weiblichen, welche das 17. Lebensjahr zurückgelegt haben. 2. Passives Mitglied kann jedes unbescholtene Gemeindeglied werden, das einen entsprechenden Beitrag zahlt.“ Paragraph 7: „Wer die Proben dreimal hintereinander unentschuldigt versäumt, kann in die Liste der passiven Mitglieder überschrieben werden.“
In den folgenden Jahren und Jahrzehnten gab es unter Otto Schieck immer wieder Aufführungen von klassischen Werken der Kirchenmusik, darunter verschiedene Bach-Kantaten, Mozarts „Requiem“, Haydns „Schöpfung“, „Paulus“ von Mendelssohn-Bartholdy. Allerdings: „In der Zeit nach 1933“, so heißt es in der Festansprache von Werner Schneider aus Anlass des 100. Jubiläums im Jahr 1990, „war die Aktivität des Kirchenchors stark eingeschränkt, vor allem während des Zweiten Weltkrieges“. Immerhin ist für 1933 die Aufführung des „Deutschen Requiems“ von Johannes Brahms verzeichnet.
Eine kirchenmusikalisch-liturgische Feierstunde am Karfreitag 1946 markierte den neuen Aufbruch nach der Kriegszeit und eine neue Kontinuität, da jedes Jahr ein großes Werk aufgeführt wurde. Werner Schneider erinnerte sich anno 1990 an diese gemütlichen Zeiten: „Die Damen strickten, die Herren lasen Zeitung, worüber Herr Schieck sicher nicht begeistert war, wenn er auch nichts sagte.“ 1952 endete die Ära Schieck, aber die Chorleitung blieb in der Familie: Auf Otto Schieck folgte für die nächsten zehn Jahre seine Tochter Isolde Kölsch. Unter ihrer Ägide wurden u.a. Werke von J.S. Bach, Dietrich Buxtehude, G.F. Händel und Johann Pachelbel einstudiert.
Mit Fritz Leimenstoll wurde am 1. Januar 1963 erstmals ein hauptamtlicher Kantor eingestellt. Leimenstoll setzte von Anfang an alles daran, die musikalische Arbeit auf eine möglichst breite Basis zu stellen. Neben der Singschule der Evangelischen Kantorei entstanden Kinderchor (für 5-jährige), Singkreis (8-11 Jahre) und Jugendchor (ab Jahren); außerdem zwei Blockflötenkreise. Die Blockflötenschüler eingerechnet, gehörten der Evangelischen Kantorei und ihren Unter-Organsationen im Beispieljahr 1982 nicht weniger als 242 Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. In Leimenstolls Amtszeit, genauer im Jahre 1970, wurde der Evangelische Kirchenchor Emmendingen“ in „Evangelische Kantorei“ umbenannt. Zu den Werken, die während dieser Jahre und Jahrzehnte einstudiert wurden, gehörten J.S. Bachs Weihnachtsoratorium (neunmal aufgeführt) sowie Johannes- und Matthäuspassion, J. Haydns „Schöpfung“, G.F. Händels „Messias“, J. Brahms' „Deutsche Requiem“ und F. Mendelssohn-Bartholdys Oratorien „Paulus“ und „Elias“.
Nach 35jähriger Tätigkeit trat Fritz Leimenstoll in den Ruhestand, führte die Arbeit allerdings kommissarisch fort, bis Thilo Frank zum 1. Januar 1998 seine Nachfolge antrat. Bald nach Amtsantritt schrieb der neue Kantor: „Inzwischen wurde der Kinderchor und der Singkreis mit neuen Aufgaben betraut, der Jugendchor befindet sich im Neuanfang, der Blockflötenkreis bleibt zunächst in den bewährten Händen meines Vorgängers.“ In einem Rückblick auf Franks fünfjährige Amtszeit wurde verwiesen auf „die in der Stadtkirche erstmaligen Aufführungen von Mozart Requiem, Mendelssohns 'Lobgesang', Vivaldis 'Gloria', der Cäcilienode von Händel und Schuberts 'Missa in G'.“ Zu nennen wäre in diesem Zusammenhang auch Rudolf Mauersbergers „Dresdener Requiem“. Gerne stellte Frank moderne Kompositionen den klassischen Werken gegenüber; so war das Mozart-Requiem mit der Komposition „Metaxy“ von D. Dörner zusammengespannt. - Die Vakanz nach dem Abgang von Thilo Frank wurde überbrückt durch das Engagement von Walter Conzelmann.
Seit dem 21. September 2003 leitet Jörn Bartels die Kantorei, die zur Zeit etwa sechzig Stamm-Sänger(innen) hat und sich bei einzelnen Aufführungen auf bis zu hundert Mitwirkende vergrößern kann. Das Repertoire der Kantorei umfasst verschiedenste Epochen und Stile, die Skala der Komponisten reicht von Heinrich Schütz bis zu Leonard Bernstein. Bartels gründete neben der Kantorei noch den Auswahlchor „Cantate Dekanate“, der ebenfalls regelmäßig Konzerte gibt. In die Kinderarbeit teilt sich Bartels seit Jahren mit Ruth Schulze-Wessels, die Leitung des Blockflötenkreises hat Uwe Schlottermüller 2013 von Fritz Leimenstoll übernommen. - Dreimal ist die Kantorei seit dem Amtsantritt von Jörn Bartels auf Reisen gegangen: 2007 und 2010 in die italienische Beinahe-Partnerstadt Torre Annunziata und 2012 nach Norddeutschland (Plön, Hamburg, Lüneburg). - Neben der Arbeit mit der Kantorei hat Jörn Bartels seit Beginn seiner Tätigkeit in Emmendingen eine große Zahl von solistisch bestimmten kirchenmusikalischen Konzerten organisiert, bei denen er meist als Organist mitwirkt.
Nicht vergessen werden soll in diesem Überblick über die Kantoreigeschichte das Wirken der Obmänner und Obfrauen. In den letzten Jahrzehnten waren dies Robert Schneider (1954-1970), Werner Schneider (1970-1998), Ulrike Wolfsperger (1998-2001), Ulrike Wieske (2001-2025) und Esther Seeger-Straub (seit 2025). Als Stellvertreterin wirkt zur Zeit Sabine Burkhardt, die auch den Förderkreis der Kantorei leitet.
Zur Einweihung des damals neuen Vereinslokals im schon erwähnten Gasthaus „Adler“ verfasste ein J. Ankele ein mehrstrophiges Gedicht. In der zweiten Strophe schrieb er in Anlehnung an Ludwig Uhlands Ballade „Des Sängers Fluch“: „Nur jene eine Säule mahnt noch an früh're Pracht, /Auch diese wird, so hoff ich, bald anders noch gemacht.“ Original-Fußnote: „In der Mitte ist nämlich eine etwas unschöne Säule.“ Diesem Schicksal ist die Kantorei auch in der Folgezeit nicht entkommen: Auch im Saal des Evangelischen Gemeindehauses, der seit Jahr und Tag als Probenlokal dient, steht eine Säule.
Robert Messmer
